Literatur & Rechtsprechung zur Causa Klein

 

Die Causa „Klein/Kommission“ zählt zu den umfangreichsten und langjährig geführten Verfahren im europäischen Unionsrecht und stellt eine über mehrere Instanzen geführte Verfahrenskette dar und wirft grundlegende Fragen der Staatshaftung der Europäischen Union, der Untätigkeitsklage sowie des Grundrechts auf gute Verwaltung gemäß Art. 41 GRCh auf.

 

I. Rechtsprechung (chronologische Übersicht)

 

Die Verfahrenshistorie umfasst folgende Entscheidungen:

 

  • Rs. T-309/10 AJ, Beschluss
  • Rs. T-309/10, Urteil des Gerichts
  • Rs. T-309/10 RENV-REC, Berichtigungsverfahren
  • Rs. C-120/14 P, Urteil des EuGH
  • Rs. T-309/10 RENV, Urteil nach Zurückverweisung
  • Rs. C-346/17 P, Urteil des EuGH
  • Rs. T-562/19, Beschluss des Gerichts
  • Rs. C-430/20 P, Urteil des EuGH
  • Rs. T-562/19 RENV, Urteil nach Zurückverweisung
  • Rs. T-562/19 RENV EA, einstweilige Anordnung
  • Rs. T-562/19 RENV DEP, Kostenentscheidung
  • Rs. T-394/23, Urteil des Gerichts vom 12.02.2025 (ECLI:EU:T:2025:148)
  • Rs. T-430/25, Schadensersatzklage (anhängig; mündliche Verhandlung am 16.04.2026)

 

Beispielhafte Zitierweise:
 

EuGH, Urteil vom 12.05.2022 – C-430/20 P, Klein/Kommission, ECLI:EU:C:2022:377.

 

II. Fachliteratur zur Causa Klein

 

Bruyas, Pierrick

 

Recours en carence – Principe de bonne administration,
Europe 2022, Nr. 7, comm. 228.

 

Zentrale Aussagen:

 

  • Stärkung des Rechts auf gute Verwaltung (Art. 41 GRCh)
  • Kritik an der Unzulässigkeitsentscheidung des Gerichts
  • Hervorhebung der Bedeutung einer angemessenen Verfahrensdauer

 

Einordnung in der Literatur

 

Der gesamte Verfahrenskomplex wird in der Fachliteratur teilweise als „Saga Klein“ bezeichnet.

 

Unger, Sebastian

 

Historische Konstanten und neue Impulse in der Entwicklung des verfassungsrechtlichen Verständnisses von guter Verwaltung

 

Systematische Bedeutung:

 

  • Art. 41 GRCh als zentraler Maßstab europäischen Verwaltungshandelns
  • Entwicklung von formaler zu materieller Kontrolle
  • Zunehmende Individualisierung der Verfahrensrechte

 

III. Systematische Einordnung

 

Staatshaftung:

 

  • Craig/de Búrca, EU Law: Text, Cases, and Materials
  • Lenaerts/Maselis/Gutman, EU Procedural Law

 

Untätigkeitsklage (Art. 265 AEUV):

 

  • Calliess/Ruffert, EUV/AEUV

 

Recht auf gute Verwaltung (Art. 41 GRCh):

 

  • Heselhaus/Nowak, Handbuch der Europäischen Grundrechte
  • Ruffert in: Calliess/Ruffert

 

IV. Art. 132 Verfahrensordnung des Gerichts (offensichtlich begründet)

 

Die Vorschrift gewinnt in der neueren Rechtsprechung zunehmend an Bedeutung, da sie eine prozessökonomische Entscheidung in rechtlich eindeutig gelagerten Fällen ermöglicht. Art. 132 der Verfahrensordnung des Gerichts ermöglicht eine Entscheidung ohne mündliche Verhandlung, wenn eine Klage als offensichtlich begründet anzusehen ist. Voraussetzungen sind:

 

  • die maßgeblichen Rechtsfragen sind bereits geklärt, und
  • der Sachverhalt ist hinreichend festgestellt.

 

Die Rechtssache T-562/19 RENV stellt einen bedeutenden Anwendungsfall dar, insbesondere im Kontext der Untätigkeitsklage nach Art. 265 AEUV. Sie ist jedoch nicht der erste Anwendungsfall von Art. 132, sondern Teil einer fortlaufenden Entwicklung der Rechtsprechung.

 

Literatur:
 

Laterza, Michele,
Manifestly Well-Founded Action: Some Recent Orders of the General Court, European Litigation, 2025.

 

V. Fußnoten

 

1 EuGH, Urteil vom 12.05.2022 – C-430/20 P
2 Bruyas, Europe 2022, Nr. 7, comm. 228
3 Michel, Europe 2018
4 Unger, VVDStRL
5 Craig/de Búrca, EU Law
6 Lenaerts/Maselis/Gutman, EU Procedural Law
7 Calliess/Ruffert, EUV/AEUV
8 Heselhaus/Nowak, Handbuch der Europäischen Grundrechte
9 Ruffert in: Calliess/Ruffert
10 Laterza, European Litigation 2025

 

 

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© by Christoph Klein, Grossgmain (Letzte Aktualisierung: 19.03.2026)

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